Frühzeitige Identifikation und Förderung rezeptiver grammatischer Fähigkeiten: Entwicklung diagnostischer und pädagogischer Ansätze
Sprachverständnis ist entscheidend für den schulischen Erfolg, da es das Verstehen von Anweisungen, das Lernen von Inhalten und das Lesenlernen beeinflusst. Defizite in diesem Bereich können sich negativ auf das gesamte schulische Lernen auswirken (Siegmüller 2010), z. B. auch fächerübergreifend auf das mathematische Lernen (Berg 2015). Grammatische Fähigkeiten im Kindergartenalter haben eine hohe Vorhersagekraft für die schulische Entwicklung des Leseverständnis (Ennemoser et al. 2012). Rezeptive grammatische Schwierigkeiten bleiben jedoch oft unentdeckt und sind schwer zu diagnostizieren (Spreer et al. 2019). Auch wenn diagnostische Kompetenzen sehr große Relevanz für die zielgerichtete Unterstützung von Kindern haben (Paleczek & Seifert 2020), sind Lehrpersonen und Kindergartenpädagog:innen nicht immer akkurat in ihren Einschätzungen (Paleczek et al. 2017). Es fehlen ökonomische Diagnoseverfahren zur Überprüfung rezeptiver grammatischer Fähigkeiten in Gruppen (wie z.B. der GraWo(-KiGa): Paleczek et al. 2021; Seifert et al. 2017), sowie spezifische Förderkonzepte für elementar-pädagogische und schulische Kontexte (Viertel et al. in Vorb.). Das Projekt adressiert diese Forschungslücke, baut auf die Entwicklung des Grammatikfähigkeiten-Gruppenscreenings (GraF GruS) auf und zielt auf dessen Validierung sowie die Entwicklung eines auf die Ergebnisse abgestimmten Förderkonzepts.
Es sollen folgende Forschungsfragen beantwortet werden:
- Wie valide und reliabel ist GraF GruS zur Diagnostik rezeptiver grammatischer Fähigkeiten im letzten Kindergartenjahr und ersten Schuljahr?
- Welche diagnostischen und förderpädagogischen Ableitungen lassen sich aus den Ergebnissen des GraF GruS-Instruments treffen?
- Wie kann ein Konzept zur Professionalisierung pädagogischer Fachkräfte die effektive Förderung grammatischer Fähigkeiten unterstützen?
Das Projekt entwickelt diagnostische Verfahren und innovative Förderkonzepte, die Diagnostik und pädagogische Praxis eng verzahnen. Die Materialien und das GraF GruS-Instrument sollen frei verfügbar gemacht werden, um Sprachverständnisschwierigkeiten frühzeitig zu identifizieren und gezielt zu fördern. Dies trägt langfristig zur Verbesserung der Bildungschancen von Kindern bei.