Projekt 3

Inklusion und Differenzierung im inklusiven Rechtschreibunterricht: Entwicklungsorientierte Ansätze für alle Lernenden

In Artikel 24 der UN-BRK (CRPD; United Nations, 2006) wird das Recht auf Bildung von Menschen mit Behinderungen ebenso wie die Gewährleistung eines inklusiven Bildungssystems festgelegt. Effekte spezifischer Förderung im Bereich des Rechtschreibens (ebenso wie in den Bereichen des Lesens und Rechnens) werden jedoch typischerweise anhand von Kindern mit isolierten Lernentwicklungsstörungen (ohne allgemeine kognitive Beeinträchtigung) überprüft (z.B. Galuschka et al 2020; Gillespie & Graham 2014; Wiliams et al. 2017). Um alle Kinder (im schulischen Kontext) von Anfang an in der Entwicklung schulischer Fertigkeiten – in diesem Dissertationsvorhaben im Bereich des Rechtschreibens - möglichst passgenau zu unterstützen, ist es weder sinnvoll nur Kinder mit spezifischen kognitiven Profilen zu beachten, noch ist es dienlich nur Kompetenzen im Bereich des Rechtschreibens zu beachten und andere Einflussfaktoren außer Acht zu lassen (z.B. Callinan et al. 2013; Lopes et al. 2020). Anhand klassischer, diagnostischer Verfahren im Bereich der Schriftsprache bzw. der Basiskompetenzen werden vor allem individuelle Merkmale erfasst (z.B. Voß et al., 2020). Biopsychosoziale Risikomodelle (z.B. Quiroga Bernardos, 2022) verdeutlichen, dass nicht nur die individuellen Faktoren, sondern auch biologische und soziale Einflussgrößen auf die Entwicklung erfasst werden müssen, um ein umfassendes Verständnis des aktuellen Entwicklungsstandes eines Kindes zu erhalten. Zudem ist es erheblich, dass diese Faktoren möglichst vorschulisch erhoben werden und dadurch alle Kinder von Anfang an spezifisch gefördert werden (z.B. Snowling, 2013).

Das Projekt verfolgt folgende Ziele:

  1. die vorschulische Erfassung von biopsychosozialen Einflussfaktoren auf die spätere Rechtschreibentwicklung

  2. die Entwicklung und systematische Evaluation einer entwicklungssensiblen, systematischen Förderung im Rahmen eines inklusiven Unterrichts ab Beginn des Transitionsprozesses in die Primarstufe

  3. die extrahierten Faktoren sollen mit jenen Faktoren verglichen werden, die sich in der Einzelförderung von Kindern mit Schwierigkeiten im Bereich des Rechtschreibens, im Rahmen des ULG Lernstörungstherapie mit Schwerpunkt Lesen, Rechtschreiben und Rechnen der Universität Salzburg als relevant herausgestellt haben.

Zentrale Anliegen dieses Dissertationsprojektes sind daher vom Elementarbereich bis in die Primarstufe wichtige Erkenntnisse über relevante biopsychosoziale Risikofaktoren in Bezug auf die individuelle Entwicklung von Kindern im Bereich des Rechtschreibens zu extrahieren und relevante Faktoren für eine, an den aktuellen Lernstand eines Kindes angepasste Förderung im Rahmen eines inklusiven Rechtschreibunterrichts festzumachen. Denn um das Recht auf uneingeschränkten Zugang zu qualitätsvoller Bildung für alle Kinder zu garantieren, ist es von hoher Relevanz für die Förderung des einzelnen Kindes im inklusiven Unterricht auf differenzierte Materialien und Methoden zurückgreifen zu können, deren Effektivität für Kinder mit unterschiedlichen biopsychosozialen Voraussetzungen überprüft worden ist.


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